
PROZ, Januar 2026, S. 11
Annette Mahro
Als erste schweizerische Institution für indischen Tanz leistet Kalasri seit 50 Jahren Pionierarbeit.
«Wir waren die erste Schule zur indischen Kultur in der Schweiz», erinnert sich Vidwan D. Keshava. Zusammen mit seiner Frau, Esther Jenny Keshava, und den beiden Töchtern Anjali und Sumitra ist er bis heute aktiv in der als Familienunternehmen geführten Schule für Yoga und indischen Tanz, die ihren Sitz seit 50 Jahren in der Basler Freien Strasse hat. Den Namen Kalasri (Reichtum der Kunst) tragen sowohl die Schule als auch das Tanzensemble, das seit Jahren mit kulturverbindenden Produktionen auftritt und 2024 dafür den Kulturpreis Baselland erhielt.
Eingeläutet wird das Jubiläumsjahr mit dem Musiktheater «Kala Chakra» (Das Rad der Zeit), das von einer Ausstellung über 50 Jahre schweizerisch-indische Tanzgeschichte begleitet wird. Das mit Livemusik ergänzte Stück wird in Basel und weiteren Orten zu erleben sein. Zuerst gehe es darin um die Frage, warum die Gottheiten den Tanz kreiert hätten, erzählt Anjali Keshava, die als Tänzerin, Tanzpädagogin und Kulturvermittlerin mitwirkt. Die Jubiläumschoreografie lade dazu ein, die verschiedenen Elemente der Tanzkunst kennenzulernen.
Besorgt über das Chaos und die Streitereien unter den Menschen habe nämlich der Schöpfergott Brahma, um für mehr Empathie auf Erden zu sorgen, die vier Veden als heilige Schriften des Hinduismus befragt und aus ihnen die Literatur, die Musik, den körperlichen Ausdruck und schliesslich das Gefühl genommen. «Kala Chakra» verstehe sich damit auch als eine Hommage an die verbindende Kraft der Kunst, so Anjali Keshava. Bereits als Sechsjährige stand die gebürtige Baslerin mit auf der Bühne und erfuhr das Leben mit und in zwei Kulturen sowie den häufigen Perspektivwechsel immer als «ganz grosse Bereicherung».
Getanzte Geschichten
Ihre Eltern hatten sich in den frühen 1970er-Jahren im südindischen Mysore (heute: Mysuru) kennengelernt. Und schon damals waren sie Pioniere: Esther Jenny, Tochter von Trudi Gerster, war die erste Europäerin, die am Fine Arts College in Mysore ihr Studium des indischen Tanzes Bharatanatyam absolvierte und sich zudem als Yogalehrerin ausbilden liess. Ihr späterer Ehemann Vidwan D. Keshava war einer der ersten Männer, der es in dem bis dahin eigentlich Tempeltänzerinnen vorbehaltenen Metier zur Meisterschaft brachte.
1976 eröffneten die beiden ihr Basler Studio und tourten als «Esther und Keshava» durchs In- und Ausland. Es folgten zahlreiche Tanzproduktionen und Auftritte, unter anderem im Fernsehen. Dem Bharatanatyam und seinen Geschichten ist Kalasri bis heute treu geblieben ist. In diesem Stil wurde aber auch schon zu Vivaldis «Vier Jahreszeiten» getanzt oder zu Schuberts «Tod und das Mädchen». Schliesslich bleibt der Brückenschlag zwischen den Kulturen für die Truppe Lebenselixier.
«Kala Chakra»: Mi 7.1., 19.30, und Sa 10.1., 17 h, Theater Basel, www.kalasri.ch

